Cementerio Cristóbal Colón, der Christoph-Kolumbus-Friedhof: eine Stadt inmitten Havannas

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Viele Menschen mögen Friedhöfe nicht, und man kann sie verstehen. Was mich angeht, so verbringe ich auf den russischen Friedhöfen so wenig Zeit, wie möglich: die sind ja fast alle ohne Skulpturen und jedes Grab von einem Zaun umgeben. Aber auf dem Christoph-Kolumbus-Friedhof vergisst man einfach, daß man sich auf dem größten Friedhof Amerikas, mit etwa einer Million Bestattungen und einer Fläche von 56 Hektar, befindet.

Das ist eine Stadt inmitten der Stadt! Er wurde von 1871 bis 1886 erbaut, und seit 1987 zum Nationaldenkmal von Kuba erklärt.

Wie auf einer Stadtführung kann man stundenlang durch die Straßen wandern, Kapellen und Tempel in allen möglichen Stilrichtungen betrachten: Gotik, Art Nouveau, griechische Tempel – alles ist hier zu finden.

Das ist das Grab von Jose Matta, einem Architekturprofessor, der auch ein großer Verehrer der altägyptischen Architektur war.

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Dies ist Tempel einer Philantrophen-Familie, die Christus-Skulptur oben wurde von dem berühmten Bildhauer Mariano Benlliure erschaffen.

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Wohlhabende Familien scheuten keine Ausgaben bei die Entstehung solcher Kunstwerke. Leider befinden sich viele Kapellen nicht mehr im besten Zustand, viele sind ausgeraubt. Das passiert deswegen, weil viele Familien Kuba in den 50-ern verlassen haben, und niemand ist da, um sich um die Gräber zu kümmern.

An diesem Grab sind immer Menschenmengen. Nicht nur Touristen, sondern auch Kubaner kommen zu der „La Milagrosa“, der Wundertätigen.

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Die Kubanerin Amelia Goyre de Hoz starb bei der Geburt ihres Kindes im Jahre 1901. Der trostlose Witwer kam zu ihrem Grab mehrmals täglich bis zu seinem Tode in 1941, klopfte mit dem Ring auf dem Grab, um seinen Besuch anzukündigen, brachte Blumen mit, sprach zu seiner Frau und ging anschließend mit dem Gesicht dem Grab zugewandt fort, um es so lange wie möglich zu sehen. Als das Grab 1914 geöffnet wurde, soll ihre Leiche völlig unversehrt gewesen sein, und das Kind lag im Arm der Mutter und nicht zu ihren Füßen, wie es bestattet wurde. Seitdem gilt dieses Grab als wundertätig: kinderlose und schwangere Frauen pilgern hierher und bitten um gesunde Kinder und gefahrlose Entbindung.

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Und was ist mit Kolumbus, nach dem der Friedhof genannt wurde? Man wollte ihn auf Kuba wiederbeisetzen, hat sogar eine große Kapelle gebaut, aber die Spanier wollten Kolumbus´ Überreste nicht weggeben. Statt des Kolumbus-Grabes kann man aber Grabmale in Form eines Domino-Spielsteines, einer Schachfigur (Grab des berühmten Schachgroßmeisters Capablanca), Grabmal eines Hundes und seinem Frauchen, Engel- und Baseballspielerskulpturen sowie Kapellen, die eher an Schlösser erinnern, bewundern.

Calle 12 esquina Calle 23, Havana 10400 Google Maps

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