Die Goldene Kammer der St.Ursula-Kirche: eine Ode an den kölschen Unternehmungsgeist

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Die Goldene Kammer (ein Sonderraum für Aufbewahrung von Reliquiaren in der St. Ursula-Kirche in Köln) ist zur Zeit wegen Renovierung geschlossen. Man hat mir trotzdem erlaubt, dort Fotos zu machen – davon habe ich ausgiebig Gebrauch gemacht.

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 Aber zuerst die versprochene Legende.

Eine bretonische Prinzessin namens Ursula sollte einen Heiden heiraten, wollte aber ihr Leben dem Gott widmen. Sie hatte eine Eingebung, dass sie sich auf eine Pilgerfahrt nach Rom zum Papst begeben soll, zusammen mit elf Tausend Jungfrauen.

Unterwegs hatte Ursula noch einen Traum, dass sie dann von Rom zurückkehren soll, um im der Gegend von Köln den Martyrertod zu sterben. Die Jungfrauen verweilten in Rom und reisten dann mit dem Papst, der sich ihnen anschliess, zurück. In der Nähe von Köln wurden die Jungfrauen von Hunnen überfallen und getötet. Alle starben mit Freude den Martyrertod.

Der Hunnenkönig schlug Ursula vor, seine Frau zu werden, sie lehnte das ab und wurde ebenfalls umgebracht. Die Engel kamen vom Himmel herab und vertrieben die Hunnen weg von Köln. Die Kölner haben dann die Toten ehrenvoll begraben und Ursula zur Stadtpatronin gemacht.

Während die Kölner laut Legende, sich hinter den Stadtmauern versteckten, und sich eher passiv verhalten hatten, zeigten sie im realen Leben völlig andere Eigenschaften.

Nachdem man unter der St. Ursula-Kirche zahlreiche Gebeine vorgefunden hatte (in Wirklichkeit war das ein alter römischer Friedhof), brachten die unternehmenslustigen Kölner einen regen Handel mit Reliquien in Schwung. Allerdings durfte man nach damaligen kirchlichen Regeln die Reliquien nicht ohne Behältnis aufbewahren, deshalb wurden sie in speziellen Behältern, den Reliquiaren untergebracht.

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In der St.Ursula-Kirche wurden die Reliquiare in einem besonderen Raum – der Goldenen Kammer – ausgestellt. In einer späteren Barockperiode wurden die Wände dort mit Knochen verziert sowie mit Gebetsanrufen, die über sie gelegt wurden.

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Die Reliquiare für die angeblichen Jungfrauengebeine wurden aus Holz in Form einer Frauenbüste geschnitzt. Sie waren hohl, um die Reliquien hineinzulegen; vorne wurde oft eine Öffnung gemacht, damit man die Gebeine sehen konnte.

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Nachher wurde die Büste bemalt und vergoldet oder versilbert. Die Höhe der Reliquiaren betrug zwischen 25 und 76 cm.

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Die Mädchengesichter sind sehr interessant: von den der Welt abgewandten Heiligen bis hin zu verschmitzt lächelnden und blühenden Kölschen Mädels. Offenbar war damals ein Mädchen mit hoher Stirn, gerader Nase und kleinem Mund das Schönheitsideal.

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Ausserdem kann man die damalige Haarmode leicht nachvollziehen.

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Von 1300 bis 1450 gab es in Europa ca. 12 Tausend Reliquiare der heiligen Jungfrauen.

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Ende des 14. Jahrhundert verbot der Papst die Ausfuhr von Ursula-Reliquien aus Köln, weil er Angst hatte, dass in solchem Tempo für Köln nichts mehr übrigbleibt.

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Außer der Ursulabüsten gibt es im Goldenen Kammer noch viele Reliquiare mit Schädeln anderer zahlreicher Heilige.

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Einige Büsten stehen auch offen im kirchlichen Langhaus.

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Ursulaplatz 24, 50668 Köln Google Maps

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