Das Elsässische Museum in Strasbourg, Teil 2: wozu benötigte man Ochsenblut?

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In meinem letzten Bericht habe ich angefangen, von einem erstaunlichen Ort zu erzählen: dem ethnographischen Elsässischen Museum in Strasbourg. Diesmal gibt es viele Fotos, aber das sind alle sehr interessante Möbelstücke.

Wie sieht so ein typisches elsässisches Haus aus?

Vom Hof aus führte meistens eine hohe Treppe ins Haus hinein. Wenn man hineintrat, geriet man erst in eine kleine Diele, und von da aus ins Wohnzimmer, die sogenannte „Stube“.

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Noch eine Treppe führte vom Erdgeschoss nach oben, wo sich die Kinderzimmer befanden, die vom Schornstein beheizt wurden. Im Erdgeschoss gab es ausserdem Abstellräume und eventuell noch eine kleine Stube mit Betten.

Das wichtigste in einem elsässischen Haus ist der Ofen in der Stube. Angefangen vom Mittelalter aus wurden im Elsass die Häuser mit Kachelöfen beheizt. Der Ofen grenzte an eine feuerfeste Wand, die „Brandmauer“ genannt wird, und wurde von der Küche aus befeuert.

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Im Museum stehen zwei wunderschöne Öfen.

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Die Gestaltung der Kacheln.

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Der zweite Ofen ist noch mehr aufgetackelt. 🙂

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Hier die Details.

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Im 16. Jahrhundert wurden Öfen eingeführt, die mit Gußeisenplatten bedeckt waren. Diese nannten sich „Bivelofe“ (Bibelofen). Genannt wurden sie so, weil sie in der Regel mit Motiven aus der Bibel geschmückt waren. Die Herstellung solcher Platten war eine Kunst, und die Meister, die die Vorlage aus Holz schnitzten, nach der die Platten dann gegossen wurden, waren sehr geschätzt. Selbst Architekten und Skulptoren waren sich dafür nicht zu schade, damit nebenbei zu verdienen. 🙂 Solche Öfen waren sehr beliebt, auch wenn sie schneller abkühlen, als die Kachelöfen.

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Dieser Ofen ist schon mal etwas kompakter und kann transportiert werden.

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Im 18. Jahrhundert hat man angefangen, solche Rundöfen zu bauen.

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Was Möbeln angeht, so hatte ein elsässisches Haus ursprünglich nur wenig davon: Truhen, Stühle und Betten.

Das Elsässische Stuhl aus Nuß- oder Obstbaumholz hat eine sehr charakteristische geschnitzte Rückenlehne und breit gespreizte Beine. Er ist sehr praktisch und fest: bei Familienfeiern und sonstigen Gelegenheiten legte man einfach ein Brett auf zwei Stühle und hatte damit eine Bank.

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Truhen wurden zum Lagern von Kleidung und Lebensmitteln verwendet, ansonsten wurden sie als Stühle und sogar als betten benutzt. Man konnte sie leicht hin- und herschieben.

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In Städten wurde die Truhe recht schnell durch den Schrank verdrängt, jedoch wurden Truhen in Dörfern bis zum Ende des 19. Jahrhunderts noch weitläufig verwendet.

Dennoch hat der Schrank auch in den Dörfern gegen Ende des 18. Jahrhunderts Einzug gehalten. Meistens war er ein Hochzeitsgeschenk. Oft wurde auf dem Schrank der Name der Braut und das Hochzeitsdatum aufgeschrieben.

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Elsässische Betten bestanden aus einem Betthimmel mit religiösen Inschriften (meistens mit der Bitte an Gott, die Ruhe in der Nacht zu wahren), vier Säulen sowie dem eigentlichen, reichlich mit Malereien verziertem Bett. Die Betten standen direkt in der Stube, aber dank den bemalten Brettern und den Vorhängen glichen sie den Alkoven.

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Eigentlich kann man hier schon sehen, dass die Haupteigenschaft von elsässischen Möbeln die Malereiverzierung ist. Diese Tradition hat sich in Europa seit dem 17. Jahrhundert ausgebreitet, doch die Bewohner von Elsass haben sie besonders lieb gewonnen!

Zunächst wurden die Möbeln mit Ochsenblut, das im Essig aufgelöst wurde, bemalt. Ich habe gelesen, dass Möbelstücke, die noch im 17. Jahrhundert so bemalt wurden, noch immer ihre Farben behalten haben. Erstaunlich!

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Später wurde dafür Ruß verwendet. Später hat man grüne und weiße, noch später rote und blaue Farben benutzt.

Dieser Blumenstrauß in einer Vase, der sogenannte „Maikrug“, ist ein in Elsass sehr beliebtes Motiv. Früher war dieser Strauß mal ein Panell von einem Schrank, der aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts stammt.

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Und man sollte auf keinen Fall die vielen möglichen Schatullen und Kästchen vergessen, die die Frauen von Elsass so besaßen! Hier die aus meiner Sicht interessantesten.

Mit einem rührenden Papagei:

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Zwei hübsche Hähne! 🙂

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Und noch etwas zu den Möbeln. Im 18. – 19. Jahrhundert begannen die Bauernhäuser in Elsass sich sehr stark an städtischer Einrichtung zu orientieren und übernahm sozusagen ihre Mode. Diese Interieurs gehören eher in eine Stadt, als in ein Bauernhaus:

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Die Möbel ist nicht bemalt, sondern reichlich geschnitzt.

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Furchterregende Fratzen – bestimmt, damit die Kinder nicht in den Schrank ohne Erlaubnis hineinlangen. 🙂

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Eine Kommode.

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Selbst ein Handwaschbecken hatte seinen Platz in der Stube. 🙂 Die nächste Erzählung geht dann über die Küche in einem elsässischen Haus!

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3 Kommentare zu “Das Elsässische Museum in Strasbourg, Teil 2: wozu benötigte man Ochsenblut?

  1. olga

    Божежмой, как у них, эльзасцев, красиво было в доме! рожи на мебели прекрасные 🙂
    „детские, отапливаемые через дымоход“ – вот злодеи! небось дети мерзли всё детство…

    1. elizabetti Autor des Beitrags

      Ага, я не припомню, чтобы в русских этнографических музеях меня так вштырило :))
      Насчет детей, кстати, и правда, интересно, как им там было 😀

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