Das Elsässische Museum in Strasbourg, Teil 3: Die Multitasking-Hausfrauen in der Küche

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Diesmal werfen wir einen Blick in die elsässische Küche. Speziell diese Küche wurde im Museum im Jahre 1910 eingerichtet. Man muss sagen, dass eine typische Küche in Elsass stets ein dunkler und verrußter Ort war, deswegen gingen die Frauen nur dorthin, um Essen zuzubereiten und ein paar Holzscheite in den Ofen zu werfen, der die Stube beheizte. Das gesellschaftliche Leben, das Reden über das Leben, das Trinken und das Essen fanden alle in der Stube statt.

Wie ist so eine elsässische Küche aufgebaut?

In den vorigen Jahrhunderten gab es noch keine Wasserleitungen, deswegen brachten Frauen das Wasser vom Brunnen in einem Krug. Ein Spülbecken aus Kalkstein wurde gleich am Fenster aufgebaut, damit das Abwasser nach Außen fließen konnte. In den Städten stand auch noch der Mülleimer gleich daneben. Im Dorf warf man den Müll in eine Abfallgrube. 🙂

In der Regel hatte eine Küche mehrere Öfen und Herde , und jeder hatte seine eigene Funktion. Diese Küche hat gleich fünf davon. Um sie alle zu beherrschen, musste frau Multitaskingfähigkeit haben.

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Oben drüber befand sich der große gemeinsame Rauchfang, der den Rauch in eine Rauchkammer auf dem Dachboden leitete, wo Speck und Schweinefleisch geräuchert wurden. Man muss schon sagen, die Elsässer waren echt wirtschaftlich: nicht mal Rauch wurde vergeudet!

Gehen wir von rechts nach links. Am Herd rechts wurde Essen für die ganze Familie in großen Töpfen zubereitet. Daneben sieht man einen großen Hackklotz, um Fleisch zu zerlegen.

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Über dem Herd hängt eine sogenannte römische Waage, mit der Säcke mit Lebensmitteln oder auch Geflügel gewogen wurde.

Gleich daneben hängen allerlei Koch- und Schaumlöffel.

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Links vom „häuslichen“ Herd  ist die Klappe vom Ofen, der die Stube beheizte. Dieser Ofen befindet sich gleich hinter der Küchenwand.

Noch weiter links steht der Herd, mit dem bei schwachem Feuer Futter für das Vieh zubereitet wurde.

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Noch weiter steht ein riesengroßer Ofen, in dem Brot gebacken wurde. Gleich daran ist eine Brotschieber angelehnt.

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Über dem Brotbackofen hängen Körbe, die aus Roggenstroh geflochten wurden, einige davon sind mit Stoff ausgelegt. In diesen Körben ließ man den Brotteig aufheben.

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Auf dem Ofen stehen diverse Krüge. Ich mag solche blaugemusterte Keramik sehr!

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Noch eine wichtige Sache im Haushalt: eine Destille. 😉

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Daneben steht ein Butterfass.

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Auf dem Fenster liegt neben Krügen für Milch und dicke Milch, – ein kleines Flickenkissen, um schwere Gegenstände auf dem Kopf zu tragen (zum Beispiel, Milchkrüge).

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Es stehen nur wenige Möbel in der Küche. Manchmal stand dort ein Büffet, in der Regel mit einem aufgespannten Netz geschützt, um Lebensmittel vor Nagetieren zu bewahren. Geschirrschränke mit teurem Geschirr standen meist in der Diele oder der Wohnstube, um den Wohlstand der Hausherrn zu demonstrieren. 🙂

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Auf dieser Anrichte steht rechts eine spezielle Pfanne, um Gerstenkörner oder Kaffeebohnen zu braten.

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An den Wänden hängt alltägliches Geschirr zum Essenzubereiten: Kuchenformen, Pastetenformen, Töpfe und Kellen. Alles ist sehr funktionell, gut durchdacht, jedes Objekt hat seinen Platz. Ich liebe Kupfergeschirr!

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Der Boden in der Küche war aus Kalkstein- oder Terrakota-Platten. Und da ist es schon, das Nagetier!

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Deswegen wurde früher Brot übrigens so gelagert – damit die Viecher nicht drankommen.

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Ich würde nicht behaupten, dass das die Küche meiner Träume ist (es gibt weder eine Spülmaschine, noch einen Elektroherd, ganz zu schweigen vom Fließendwasser 🙂 ), doch die hiesige Keramik und Kupfergeschirr sind so was von klasse!

Im nächsten Beitrag werde ich mehr von der elsässischen Keramik sowie unglaubliche Formen für Kuchen und Pasteten zeigen, die (sowohl die Formen, als auch die Pasteten) ich nun geradezu unmenschlich begehre! 🙂

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