Das Elsässische Museum in Strasbourg, Teil 4: Barbarossa, Baeckeoffe und Hunde auf Suppentöpfen

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Eigentlich wollte ich heute von elsässischer Keramik und diversen Kuchenformen erzählen. Allerdings fand ich so viel Interessantes über Keramikproduktion herausgefunden, dass ich jetzt lieber nur davon erzähle – und die Formen für Kuchen und Printen lasse ich fürs nächste Mal!
In Elsass gibt es zwei Hauptarten von Töpferware. Ich habe beide furchtbar gern: farbige ofenfeste glasierte Keramik:

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sowie blaugraues salzglasiertes Steingut:

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Die erstere Art wird im Dorf Soufflenheim hergestellt, die zweitere im Dorf Betschdorf. Beide befinden sich in der Nähe des Haguenauwaldes, wo seit Urzeiten hochwertiger Ton zum Brennen gewonnen wird.

Nach einer Legende rettete ein ansässiger Töpfer einst den Kaiser Friedrich Barbarossa, als dieser auf einer Jagd war, vor einem wilden Eber. Nur ein bißchen hätte gefehlt, sonst würde der Kaiser genau wie Robert Baratheon aus George Martins Fantasyepos enden. Als Belohnung schenkte Barbarossa den hiesigen Töpfern das Recht, Ton aus seinem Wald zu entnehmen. Jedenfalls herzlichen Dank an ihn für diese weise Entscheidung, was auch immer der Grund für diese war. Das soll übrigens in der Mitte des 12. Jahrhunderts vorgefallen sein. Natürlich wurde dort auch schon vorher Geschirr hergestellt, aber eben ohne ein höchstkaiserliches Segen. 🙂

In der ofenfesten glasierten Töpferware aus Soufflenheim kann man Essen garen und gleich darin servieren – sie sieht so schönaus, dass es nicht einmal zu schade ist, sie auf den Tisch zu stellen.

Geformt wird das Geschirr auf der Töpferscheibe, dann trocknet sie einige Tage lang. Die Bemalung erfolgt dann in mehreren Stufen. Zunächst wird der Topf engobiert – das heißt, in die Engobe getaucht – das ist ebenfalls Ton, nur mit Wasser verdünnt und von anderer Farbe, als der Topf selbst. Dann wird er wieder getrocknet. Danach werden allerlei Muster, Vögel, Blumen darauf gemalt. Und wieder getrocknet.

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Danach wird das Geschirr in Glasur getaucht und bei 950-980°C gebrannt. Während des Brennvorgangs wird die Glasur durchsichtig.

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Ofenfeste glasierte Töpferware dient hauptsächlich zum Zubereiten von Essen: das sind Schüsseln, Krüge und ovale Auflaufformen mit Deckel, in denen der „Baeckeoffe“ zubereitet wird. Auf dieses Gericht, „Baeckeoffe“, sollte etwas näher eingegangen werden. Das ist eine art „irisches Ragout“ auf elsässische Art, und heißt einfach „Ofen des Bäckers“. Elsässische Hausfrauen, wenn sie keine Zeit zum Kochen hatten, garten einfach Schweine-, Rind- und Lammfleisch im Weißwein; dann brachten sie das Ganze zum Bäcker, um es in seinem Ofen fertig zu backen, wobei sie noch Kartoffeln, Zwiebeln und Kräuter dazu legten. Gebacken wurde in solchen Terrinen.

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Ebenfalls nicht aus elsässischen Küchen wegzudenken waren Abtropfgestelle für Löffel, auch aus dieser Keramik. Diese Gestelle waren ein Hochzeitsgeschenk, mit den Namen und Initialen des Brautpaares beschriftet.

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Außerdem wurden in tiefen Schüsseln Gemüse und Sauerkraut sowie Eintopf serwiert. Wenn solche Schüssel zu einer Hochzeit geschenkt wurden, wurde dort das Datum der Hochzeit niedergeschrieben, genauso wie auf den Krügen.

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Noch ein Exemplar von glasierter Keramik, das aus einem elsässischen Haus nicht wegzudenken war: spezielle gepaarte Hochzeitskrüge, mit Initialen und Datum der Hochzeit. 🙂

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Außerdem gibt es im Museum sehr interessante Suppenterrinen aus dem Ende des 19. Jahrhunderts: die Deckel sind mit Vögeln und Hunden verziert (besonders gut kann man Pudel erkennen).

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Es gibt sogar eine Venus. Vermutlich eine männliche.

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Die zweite Art von Töpferware, nämlich salzglasiertes Steingut, wurde in Elsass seit dem 18. Jahrhundert hergestellt, als deutsche Töpfer aus der rheinischen Stadt Siegburg dorthin zogen. Ab 1717 fingen sie an, sog. Betschdorfsches Steingut herzustellen. Man kann also sagen, diese Technologie ist nicht einheimisch. Sie wurde seit dem 15. Jahrhundert von Töpfern aus der Gegend der Stadt Koblenz zur Keramikherstellung verwendet.

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Steingut wird bei hohen Temperaturen gebrannt: über 1250°C. Zunächst werden Zeichnungen auf das Geschirr aufgetragen oder geritzt und dann kobaltblau angemalt. Dann wird die Farbe getrocknet. Dann wird in den Ofen während des Brennens Steinsalz (NaCl) hinzugegeben und ein Wasserdampf-„Aufguß“ gemacht. Während des Vorgangs wird der Ton von einer dünnen aber festen Glasurschicht überzogen und wird dabei grau.

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In diesem Geschirr lagerten die Elsässer Lebensmittel und servierten Getränke.

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In solchen Krügen wurde Wein und Bier serviert. Manchmal besaßen sie Zinndeckel, auf denen der Name des Besitzers eingraviert war. Oft wurden Krüge mit einem sechszackigen Stern verziert – dem Emblem der Bierbrauer. Die Ähnlichkeit mit dem Davidstern ist völlig zufällig.

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In Gefäßen aus Steinkeramik konnten Milch, Wein und Öl über lange Zeit gelagert werden.

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Große Gefäße waren für Eier, eingelegtes Gemüse (weiße Rüben, Bohnen) sowie für Sauerkraut vorgesehen.

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Bei Gelegenheit würde ich ganz gerne mal Betschdorf besuchen und dort irgendwas kaufen – vielleicht nicht so wunderschön, aber auf jeden Fall blauweiß und glasiert! 🙂

Der nächste Beitrag wird dann von Printen, Kuchen und Pasteten handeln!

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