Die Rettungspferde oder die wundersame Auferweckung

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Köln ist eine sehr seltsame Stadt! Hier sieht man Pferde, die einen von den Fenstern eines hohen Turmes aus anstarren. 🙂 Die erscheinen einem nicht erst nach 10 Gläschen Kölsch, sondern auch bei einem nüchternden Kopf!

Auf einer Seitenstrasse am Neumarkt steht ein Haus mit einem Turm, von dem aus zwei weiße Pferde ihre Köpfe ausgestreckt halten. Skulpturen, selbstverständlich. 🙂 Mit diesen Pferden ist eine interessante Legende verbunden.

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Es lebte in Köln im XIV Jahrhundert an demselben Ort, wo jetzt der Pferdeturm steht, ein reicher Patrizier Mengis von Aducht mit seiner hübschen Frau, Richmodis. Die beiden lebten fröhlich vor sich hin, bis in Köln eine Pestepidemie ausbrach. Richmodis wurde krank und starb. Nach dem damaligen Brauch wurden die Toten sehr schnell bestattet. Richmodis wurde zum Friedhof bei der Nachbarskirche gebracht, um am nächsten Morgen bestattet zu werden. Die gierigen Totengräber sahen goldene Schmuckstücke auf Richmodis und beschließen, in der Nacht zurückzukehren, um sie auszurauben. Als aber einer von ihnen versuchte, der Frau einen Ring vom Finger abzuziehen, und an ihm heftig zerrte, da stöhnte Richmodis auf, rührte sich und kam zu Sinnen. 🙂 Die Diebe liefen schreiend davon, und die Frau schleppte sich nach Hause.

Das Opfer des Scheintodes klopfte lange an der Tür und rief nach ihrem Mann. Der Mann und seine Diener versammelten sich am Fenster, hatten aber Bammel davor, die Tür zu öffnen – vielleicht war das ja gar nicht die Herrin, sondern ein böser Geist! Und plötzlich, da wieherten die Pferde in Mengis‘ Stall und er rief: „Eher werden meine Pferde hier auf den Turm steigen, als dass ich glaube, dass das meine Frau vor der Türe steht!“
Und kaum hatte er das gesprochen, da liefen schon zwei seiner Pferde trampelnd in die Turmkammer, schoben die Fensterläden auf und streckten ihre Köpfe heraus. Hier sind sie, als würden sie gerade sagen „Wer wagt es, in der dunklen Nacht an die Tür zu klopfen?“:

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„Herrin???“

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Und da glaubte der Ehemann endlich, dass es Richmodis war, heil und lebendig. Man öffnete die Tür und alle, inklusive Pferde, umarmten sich. Von da an lebten Richmodis mit Mengis noch lange und glücklich zusammen. Als Zeichen des wundersamen Ereignisses befahl Mengis, seinen Turm mit den Skulpturen zweier Pferde zu bestücken.

Wissbegierige Historiker stöberten in den Archiven und fanden heraus, dass es zu der Zeit in Köln tatsächlich einen solchen Scheintod gegeben hatte, und dass die Frau Richmodis von Aducht hieß. 🙂 Aber ob damals wirklich Pferde eine Rolle gespielt hatten, ist jetzt unbekannt. 🙂 Dafür ist diese Legende schön. 🙂 Und die Straße, auf den die von Aduchts damals wohnten, wurde später Richmodstraße genannt.

Richmodstraße, 50667 Köln Google Maps

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