Elsa Yaskovskaya.

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Eine reinliche Punk-Familie sucht eine gemütliche Villa mit allem Comfort

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Diese sympathische Villa haben wir gemeinsam mit hunderten anderer Menschen am Tag des Offenen Denkmals erstürmt. Ich hoffe, sie hat keinen zu großen Schaden genommen. Zumindest weniger als von ihren vorigen Bewohnern: einer Punk-Familie in drei Generationen. 🙂

Das war das erste Mal, dass die Villa nach der Renovierung für die Öffentlichkeit zugänglich war, und wir haben es sogar hereingeschafft, obwohl von hinten eine ganze Meute drückte, die ebenfalls die Interieurs besichtigen wollte.

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Erbaut wurde das Haus 1895 in einer edlen Gegend am Rheinufer. Um sie herum standen genauso elegante Villen, das Gebäude des Oberlandgerichts, Anwaltskanzleien – salopp gesagt, eine wohlhabende, prestigereiche Gegend. 🙂

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Das Gebäude betraten wir durch den Eingang auf der Seite der Villa. Auf dem Weg war ich ständig vom rosafarbenen Sandstein begeistert. Ich mag ihn eben sehr. Man gewinnt ihn in der Gegend von Mainz, so dass er in Köln eher selten anzutreffen ist: es ist zu weit für den Transport. Dafür ist in Mainz die Menge an Gebäuden aus diesem Stein schier unglaublich.

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Zu verschiedenen Tageszeiten und Lichtverhältnissen ändert er seine Farbe: mal wird er wärmlich rot, mal kühl und rosafarben. 🙂

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Dieser Stein ist sehr lebendig. 🙂 Auch Figuren und Gesichter daraus sehen anders aus, als die aus dem normalen Sandstein.

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Und noch eine Verzierung.

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Endlich hatten wir unsere Heldentat „zusammen mit einer Menge Rentner Plastiküberschuhe in einer engen Diele anziehen“ vollbracht. Da in der Villa das Parkett gerade neu gemacht wurde, waren überall bedrohliche Zettel angebracht: „Schuhe aus bzw. Pelzpantoffeln!“

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Auch wurde uns im Treppenhaus noch mehr aus der Geschichte erzählt. Die Villa gehörte irgendwann der Stadt Köln. Und die Stadt Köln ist in Sachen Verwalten von Immobilien so geschickt, dass als das Haus von Punks besetzt wurde, es keinen gekümmert hatte – und so lebten sie dort mehrere Generationen lang. Vielleicht haben sie sogar Enkel hier großgezogen. 🙂 Unter Punk-Verwaltung ist das Haus, gelinde gesagt, etwas verwaist – vor allem der Dachstuhl. Letzten Endes wurde die Villa von den Punks abgekauft. Es ist schön, Punker in Köln zu sein: da besetzst du eine Wohnung, und kriegst sogar noch Geld dafür! Jetzt sitzen in der Villa etliche Büros und Firmen. So sieht so ein Büro von innen aus. Ganz normal eben.

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Sicht auf den Rhein aus dem linken Turm.

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Und noch eine Sicht vom Balkon des ersten Stocks.

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Ein geschnitzter Balkon, ebenfalls aus rosafarbenem Sandstein.

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Die Stuckverzierungen sind in vielen Räumen gut erhalten.

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Einige Büros sind hier so kurz, dass sie nicht mal richtige Leuchter aufgehängt haben.

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Dieser Kronleuchter hat mir insbesondere gefallen.

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Doch der größte Hit ist die originale Holztreppe aus dem 19. Jahrhundert sowie die bemalten Holzdecken Die Treppe windet sich wie Efeu! Wir sind mehrere Male dort hoch und runtergelaufen, um die besten Bildausschnitte zu finden.

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Im zweiten Stock.

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Den Rentnern fielen solche Steigungen nicht leicht… aber sie gaben nicht auf. Jedoch erwarteten viele anscheinend unglaubliche Reichtümer und einen Haufen alter Möbel zu sehen zu bekommen. Sie zogen etwas enttäuscht von dannen. 🙂

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Und das hier sind die bemalten Holzdecken im Treppenhaus. Im ersten Stock…

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und im Zweiten.

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Aus dem zweiten Stock hat man sehr gute Sicht auf ein bleiverglastes Fenster.

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Auch dieses wurde restauriert.

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Das war das Ende des Rundgangs, neue Menschenmassen fielen die Villa an; wir aber gingen rechts rum und haben ein Foto von der anderen Seite aus aufgenommen. Dieser Teil ist noch nicht restauriert.

Ein interessantes Detail: über den Fenstern steht „Nisi dominus frustra“, „alles ist eitel außer Gott“.

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Und, buchstäblich ein paar Meter weiter sitzt dieser Teufel auf der Wand und schaut allen Passanten hinterher: „Seid ja bloß brav, sonst hol ich Euch!“

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Eine sehr stilvolle Villa, und ich bin froh, dass wir hinein konnten. Fortsetzung folgt, unter anderem über eine ehemalige Brauerei, ein Haus aus der Gründerzeit und einen Klosterkeller.

Konrad-Adenauer-Ufer 101, 50668 Köln Google Maps

2 Kommentare

  1. А панки то не особо засрали все,раз лепнина и пр.сохранилось =)

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