Neuseeland, oder „Hin und wieder zurück“: mit der Fähre auf die Südinsel, Teil 1

Nachdem wir ein paar Tage in Wellington verbracht hatten, hatten wir die unvorhersehbare und gefährliche Cook-Straße zu überqueren, die von diesem Seefahrer im Jahre 1770 entdeckt wurde. Wir waren zu Fuß unterwegs, denn unseren Mietwagen hatten wir schon in Wellington abgegeben, und einen neuen würden wir dann auf der Südinsel im Hafen von Picton bekommen: so ist es viel bequemer. Die Interislander-Fähre fuhr recht früh los, deswegen brachen wir frühzeitig aus dem Hotel auf, um unserer altgedienten Fähre namens Arahura beim Beladen zuzusehen. Sie war von 1983 bis 2015 im Einsatz und ist vor allem dadurch bekannt, dass sie im Jahre 1986 die Passagiere des havarierten sowjetischen Kreuzfahrtschiffs Michail Lermontow rettete, das damals vor der Küste Neuseelands versunken ist.

Wir haben recht wenig Zeit damit verbracht, drinnen zu sitzen, daher hier nur ein Foto der Einrichtung. Es ist durchaus bequem, man kann Frühstück bestellen und sich in komfortablen Sesseln breitmachen. Doch wir wollten keine Sekunde der dreistündigen Fahrt und keinen einzelnen der zu fahrenden 92 Kilometer verpassen!

Wir verlassen den Hafen und sehen ein einzigartiges Forschungsschif, die Tangaroa. Das Schiff führt Tiefseeforschung in der Südsee, vor allem in der Antarktis. Es war großes Glück, das Schiff im Hafen zu sehen: in der Regel ist es das ganze Jahr über unterwegs.

Gleich daneben: das nicht enden wollende Kreuzfahrtschiff Celebrity Solstice von Celebrity Cruises.

Es ist ein Ameisenhaufen, das 2852 Passagiere fasst und für jedes Weitwinkelobjektiv zu breit ist.

Und hier die Queen Mary 2 von Cunard. Sie wirkt weitaus eleganter, obwohl sie fast die gleiche Anzahl Passagiere wie die Solstice fasst: 2600 Personen.

Die beiden lassen wir hinter uns im Hafen.

Mach’s gut, Wellington! Die Stadtmitte wirkt aus der Ferne recht beschaulich.

Rechts von uns: die Oriental Bay. Der orangene Fleck in der Mitte des Bildes ist die Kirche und das Kloster des St. Gerard. Und links sieht man bereits die Hänge von Mt. Victoria.

Im Gegensatz zur Miramar-Halbinsel, die komplett mit Wohnhäusern zugebaut ist (und wo außerdem Weta und die Stone Street Studios zu finden sind) ist der bergige Hang der Bucht linker Hand (die Gegend von Lower Hutt) so gut wie nicht besiedelt.


Ward Island mit guten Stränden und Orten zum Angeln.

Links ist schon der Pencarrow Head-Leuchtturm zu sehen, der sich in der Fitzroy Bay befindet. Der obere Turm wurde 1859 erbaut, wobei der erste Wärter eine Frau war! Inzwischen ist er außer Betrieb und ist nur noch ein historisches Denkmal. Der zweite Leuchtturm unten wurde 1906 erbaut, da der obere Turm beim Nebel oft nicht zu sehen war.

Die scharfen zahnartigen Felsen neben den Leuchttürmen ist der berüchtigte Barrett Reef, einer der gefährlichsten in Neuseeland. Das letzte Schiffsunglück passierte hier 1968, als die Fähre Wahine während eines Sturms daran zerschellte. Dabei starben 51 Menschen.

Auch rechts von der Fähre sind schnurgerade Felsenketten zu sehen: das ist die Bucht Tarakena Bay. An diesem Ort ist die Navigation sehr schwer!

An uns vorbei fährt eine Fähre der Konkurrenzfirma Bluebridge.

Mach’s gut, Meerenge von Wellington!



Nun sind wir in der Cook-Straße. Und fangen sofort an, uns nach Walen umzublicken. Bis zu 20 Walarten kann man hier antreffen! Speziell Südkaper, die hier früher so zahlreich waren, dass ein Reisender, der Wellington im 19. Jahrhundert besuchte, wegen ihrer lärmvollen Paarungsrituale nicht einschlafen konnte. Leider haben wir keinen einzeigen Wal gesehen, nicht mal ein Flößchen. Und in Kaikoura, wo man mit dem Boot zum Wale gucken fahren kann, hatten wir danach keine Zeit. Das nächste Mal also!

Solange die Fähre an der Südküste der Nordinsel entlang tuckert, beobachten wir den Wechsel der Landschaft.

Am Rande der Bucht Owhiro Bay sehen wir eine riesige Felsentreppe. Das ist ein ehemaliger Steinbruch. Die Regierung von Wellington hat ihn aufgekauft und versucht, die Spuren der Menschen zu verwischen, indem man die Hänge mit einheimischen Pflanzen bewaldete.

Entlang der Küste, direkt am Wasser, führt der Red Rocks Way, der so wegen der Farbe des vulkanischen Gesteins heißt. Der Weg ist Teil des Naturschutzgebiets Red Rocks Scientific Reserve.

Sinclair Head: Kap der Versager. 🙂 Dort leben zwischen Mai und Oktober Kolonien von Seebären, die in der Paarungssaison nicht geschafft haben, Weibchen zu umgarnen und sich zum Paaren auf die Südinsel zu begeben. Deswegen leben sie hier und fressen kräftig, so eine Art Männer-WG. Sie sind viel gelassener, als die Weibchen mit ihren Jungen, doch für Touristen gilt weiterhin: kein Lärm, Hunde anleinen und auf keinen Fall sich zwischen Seebär und Wasser stellen.

An den Berghängen sind überall herbstlich-gelbe Pflanzen zu sehen.

Mit dem Wetter hatten wir Glück. So viel Sonne! Und unglaublich blaues Wasser.

Langsam werden die Berge flacher. In diesem Teil der Nordinsel findet man viele Windkraftstromanlagen, denn die Cook-Straße gehört zu den „Roaring Forties“, dem Streifen zwischen dem 40. und dem 50. südlichen Breitengrad, wo es starke Winde und häufige Stürme gibt. Die Windräder der Terawhiti Station nutzen den Wind voll aus.

Vor der Küste: der nicht mehr funktionierende Leuchtturm Karori Rock, der eine deutliche Schräglage hat und auf einem einzelnen Felsen steht. Das ist eine gefährliche Stelle mit vielen Unterwasserströmungen.

Danach wenden wir in Richtung Westen. Mach’s gut, Nordinsel! Vierzig Minuten der ruhigen Fahrt (die Cook-Straße hat sich richtig Mühe gegeben und hatte keine Stürme für uns parat) – und dann sahen wir in der Ferne schon die Südinsel. Und sie war wunderschön.

Interessante Links:
Die Südküste der Nordinsel:

Die Leuchttürme von Neuseeland:

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