Neuseeland, oder „Hin und wieder zurück“: mit der Fähre auf die Südinsel, Teil 2

Und da liegt sie schon, die Südinsel! Den Rest des Weges bis zum Hafen von Picton werden wir durch die Marlborough Sounds zurücklegen. Das ist ein riesiges Gebiet von Buchten und Inseln im Norden der Südinsel.

Im Gegensatz zu den Fjörds im Süden wurden die Berge von Marlborough Sounds nicht durch Gletscher gebildet. Vor langer Zeit hatte sich das Land einfach abgesenkt und das Meer füllte die Täler mit Wasser.


Rechter Hand von der Einfahrt in den Tory Channel grüßt uns der East Head, die Felsen der Arapaoa-Insel…

…und links liegt der West Head, die Felsen der eigentlichen Südinsel.


Es sind wunderschöne Landschaften.

Dieser Fels erinnert an einen Kiwi, der mit dem Schnabel voran ins Wasser umgekippt ist.

Unnütze Trivia: die Küstenlinie von Marlborough Sounds mit allen Buchten und Meerengen beträgt 1750 Kilometer, gleichauf mit der Küstenlinie von Portugal!

Eine SEHR geheimnisvolle Durchfahrt (allerdings für alle auf der Fähre sichtbar).

Derweil schippern wir dem Tory Channel entlang. Rechts haben wir immer noch die Arapaoa-Insel. In der Okukari Bay leben Farmer (man kann die Gebäude erkennen).

In der benachbarten Whekenui Bay steht ein kleines Häuschen mit tollem Ausblick auf die Meerstraße. Es handelt sich um ein kleines Selbstverpflegungshotel namens Arapawa Homestead, die man mieten kann. Erreichbar ist sie per Boot.

Abgesehen von den Farmern und den Fischern waren im Tory Channel früher sehr viele Walfänger heimisch, die die erlegten Wale zu den Walfangstationen brachten. Man fing hier mit dem Walfang gegen Ende des 18. Jahrhunderts an, und die erste Walfangstation wurde in der Te Awaite-Bucht 1827 eröffnet. Danach folgten weitere. In der Fishermans Bay kann man eine historische Walfangstation besichtigen, die 1911 von der Familie Perano gegründet wurde.

Zunächst wurden von den Walfängern hauptsächlich Südkaper gejagt. In dem Tempo wurden sie in den 1830-1840er Jahren fast ausgerottet. Dann stiegen die Walfänger auf die Buckel- und Blauwale, sowie auf Pottwale um. Das letzte Mal wurden hier 1964 Wale gejagt.

Seitdem wächst die Population der Wale wieder an – leider nur langsam. Zur Zeit migrieren etwa 300 Buckelwale, jeden Winter über die Cook-Straße nach Norden. Ferner kann man im Marlborough Sounds Südkaper, Pottwale, Killerwale, Delfine sowie Große Tümmler antreffen.

Derweil kann man auch linker Hand wunderschöne Aussichten.

Hier und da sieht man Sommerhäuser der Kiwis (sog. „Baches“, ausgesprochen wie „Bätsches“) sowie Touristen-Cottages.

In so einem würde ich gerne mal übernachten!

Und in diesen hier auch!


Derweil verlassen wir den Tory Channel und fahren in den Queen Charlotte Sound hinein. Die Küsten sind immer noch voller kleiner Buchten. Die Neuseeländer machen hier sehr gerne Urlaub.


Im März beginnt der neuseeländische Herbst.

Hier tritt der Wald direkt ans Wasser.

Die hiesigen Bewohner jagen mit den Motorbooten durch die Meerenge. Früher gab es nicht nur schleichende Fähre wie die unsere, sondern auch Schnellkatamarane von Wellington nach Picton, die von der Bevölkerung kurzerhand zu „Vomit Comets“ getauft wurden (denn bei starkem Seegang ging es darin sehr turbulent zu). Doch die starken Wellen, die sie verursachten, setzten der Küste stark zu, und so wurden die Kotzkometen verboten.

Außerdem waren die für die Austernzucht schädlich.

Es gibt viele Anlagen in Neuseeland, wo Austern gezüchtet werden. Eine haben wir in der Hitaua Bay gesehen.

Und das ist keine Austernzucht mehr. Das sind Vogelschwärme.

Wunderschöne Berge!


Langsam kommt die Fähre Picton immer näher. Die Passagiere kommen aufs Deck.


Picton ist ein kleines Städtchen mit nur 4000 Einwohnern. Doch im Sommer herrscht hier Hochbetrieb. Von hier aus schwärmen Autofahrer, Bootsfahrer und Wanderer, Liebhaber der Natur und der Extremsportarten, auf der Insel aus.

Unweit von hier beginnt die Wanderroute Queen Charlotte Track. Sie führt entlang dem Queen Charlotte Sound und dauert 3-5 Tage (71 Kilometer). Den Fotoberichten der Wanderer nach zu urteilen sind die Aussichten wunderschön. Auf dem Foto ist allerdings nicht dieser Track zu sehen.

Unterwegs treffen wir auf ein anderes Interislander-Schiff, die Kaitaki.


Apropos, das Logo von Interislander hat einen Delfin. Es gibt eine interessante Geschichte dazu. Der graue Delfin namens Pelorus Jack (genannt nach der Bucht, wo er erstmals entdeckt wurde) begleitete große Schiffe auf einem Teil der Cook-Straße zwischen 1888 und 1912. In der Zeit ist kein einziges dieser Schiffe verunglückt, trotz der schwierigen Navigationsbedingungen dort. 1904 wurde er von einem der Schiffe angeschossen (glücklicherweise wurde er nicht getroffen). Danach wurde Jack durch einen besonderen Erlass des Parlaments hoheitlich geschützt. Das gilt als erster Fall, wo ein konkretes Meereslebewesen durch ein Gesetzt geschützt wurde. Pelorus Jack war sehr beliebt, und Tausende kamen, um ihn zu sehen – darunter Mark Twain und Rudyard Kipling.

Derweil ist Picton immer näher.

Bereit zum Anlegen.

Eine Doppelrampe: die untere ist für die Eisenbahnwaggons, die obere für die Autos.


Für Fußgänger gibt es eine Extra-Rampe an der Seite.

Nachdem wir gleich im Hafen von Picton einen neuen Wagen gemietet haben, verabschieden wir uns von Marlborough Sounds und fahren an den berühmten Weinplantagen von Marlborough zu unserem nächsten Ziel: Kaikoura.

Picton, New Zealand Google Maps

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