Neuseeland, oder „Hin und wieder zurück“: das Städchen Methven und die tiefste neuseeländische Provinz


Über die Schönheit von Edoras, genauer gesagt, des Berges Mount Sunday, wo wir im Rahmen einer Herr-der-Ringe-Tour waren, hat mein Mann bereits hier auf Russisch geschrieben: http://www.henneth-annun.ru/index.php/stati/stati-o-sobyitiyah/poezdka-v-novuyu-zelandiyu-ili-tuda-i-obratno/novaya-zelandiya-chast-4-gora-sunday-edoras/

Ich wollte deswegen am Anfang des Berichtes zur Einstimmung zwei von mir gemachte Fotos posten, die nicht in diesen Bericht eingegangen sind, mir aber sehr gefallen: der Fluß Rangitata mit dem Berg Mount Sunday rechts oben,

sowie die Hagebutten auf dem Mount Sunday.

Dieser Bericht wird eher über prosaische Dinge sein: ein paar Abende im Städchen Methven, welches unser Startpunkt bei dem Ausflug nach Edoras war, sowie seine Umgebung, die tiefste neuseeländische Provinz. Ich ahne schon, dass die drei Wochen, die wir in Neuseeland verbracht haben, die einzigen sein werden, an die ich mich auch noch im senilen Alter in allen Einzelheiten erinnern werde, da ich jederzeit auf diese Berichte zurückgreifen kann. Nun, das ist auch eine gute Perspektive. 🙂

Methven hat ca. 1300 Einwohner, und damit ist eigentlich für einen Großstadtbewohner alles gesagt. Im Sommer gibt es hier nichts zu tun, außer Angeln, Ballonfahren oder Skydiving im Umland: sprich, die Natur in vollen Zügen geniessen. Diese ist hier ubrigens sehr schön. Im Winter kommen wesentlich mehr Menschen hierher: alpine Skifahrer, die es auf Mount Hutt abgesehen haben.


Die Berge auf dem Weg nach Methven.

Vor unserem Check-In ins Hotel kauften wir noch etwas zum Frühstuck ein. Im Supermarket haben wir unter anderem auch eine ganze Vitrine mit solchen „dog food rolls“, Nassfutter für Hunde, entdeckt. Mag sein, dass ich hinterm Mond lebe, ich bin ja auch kein Hundehalter, aber  solche Packungen habe ich in deutschen Supermärkten noch nie gesehen!

Unser Hotel, Abisko Lodge. Sehr nett! Wir waren ausserhalb der Saison die einzigen Gäste dort. Es war so schön, spät am Abend im Innenhof mit einem Glas Wein zu sitzen und den Kater des Hauses bei seinem Herumschlendern zu beobachten.

Unser geräumiges Zimmer.

Die meisten Gäste sind Skifahrer, für diese liegen hier überall diverse Broschüren mit Karten der Pisten und der Skilifte aus.

Natürlich haben wir die Stadt inspiziert, um zu sehen, wie das einheimische Leben läuft. Mit der geistigen Kost ist es wohl schwierig, bei der Bücherausleihe gibt es definitiv Probleme.

Dafür aber kann man eine Pinte Bier verkosten: entweder in dem „Blue Pub“,

oder im „Brown Pub“ direkt gegenüber. Selbstverständlich haben wir die beiden abgehackt. Am Eingang zum Brown Pub, der etwas weniger touristisch ist, hat einer der Gäste (ich mag die Neuseeländer, die brauchen nicht lange nach Worten zu suchen) auf die Canon meines Mannes gezeigt und gefragt: „Оh, are you going to take a picture of me?“ 🙂

Als wir am Blue Pub saßen, wurden wir Augenzugen eines außergewöhlichen Ereignnisses: ein Traktor fuhr durch die Straße, und zwar eine antike Dampfzugmaschine der Firma „Robey“, die nagelneu aussah. Eine regelrechte Lokomotive, nur nicht auf Gleisen. Die Dampfzugmaschinen  dieser Firma sind eine Rarität und wir hatten Glück, eine zu Gesicht zu bekommen.

Neben unserem Hotel befand sich ein „Garten der Harmonie“ im asiatischen Stil. Im Herbst gibt es dort nichts zu sehen, die Harmonie steckte bereits offenbar im Winterschlaf. Dafür aber entdeckten wir auf der Nachbarweide ein paar junge Bullen. Diese waren sehr aufgeregt über unsere Anwesenheit, obwohl wir uns im Garten befanden. Sie scharrten den Boden und waren auf und an, uns anzugreifen.

Außer der Bullen war da noch dieses Bauwerk auf der Weide.

Dieses Betonrohr ist ein ausgesonderte Sektion der Bewässerungsleitung, die in den 30er und 40er Jahren des 20.Jahrhunderts gebaut wurde. Nach der Ausssonderung wurde diese Sektion damals nach Methven gebracht, dabei konnte keine Brücke ihr Gewicht halten. Deswegen wurde sie über Flüsse von einem Flachbagger gerollt. Danach hat man im Betonrohr einen Holzfußboden verlegt. Eine Zeit lang wurde dort Sprengstoff gelagert. Seltsam, dass daraus noch kein Budget-Hostel für Skifahrer gemacht wurde.

Nachdem wir durch das gesamte Stadtzentrum gelaufen waren, haben wir es sogar zum Ortsfriedhof geschafft. Dort steht ein Kriegerdenkmal der Einwohner von Methven, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind, insgesamt 69 Personen. Für die Gefallenen im Zweiten Weltkrieg wurden separate Listen unterhalb der grossen Tafel angebracht. Ausnahmsweise ist das Foto nicht von uns, sondern aus dem Internet. Wir waren zu müde, um zu fotografieren, und der Friedhof selbst hat mich auch sehr bedrückt, obwohl ich gelegentlich gerne durch Friedhöfe wandere. Der Erste Weltkrieg ist ein äußert wichtiges Ereignis für die Neuseeländer, weil daran 100.000 Einwohner teilgenommen haben, 9% der Gesamtbevölkerung, dessen Anzahl in 1914 ganze 1.100.000 Personen betrug. Von diesen 100.000 sind 18.000 umgekommen, jeder fünfte ist nicht zurückgekehrt. Ich habe gelesen, dass in Neuseeland circa 500 Kriegsdenkmäler gibt.

Auf ihre rauhbeinige Art romantische Methvener Sonnenuntergänge mit einer Sicht auf die Berge im Hintergrund.

Am nächsten Morgen ging es los nach Edoras und in die noch tiefere Provinz. Unterwegs machten wir Rast im kleinen „Staveley Store-Cafe“ der gleichnamigen winzigen Ortschaft („township“ auf Englisch) Staveley.

Ich kam nicht umhin, ein paar Fotos zu machen.

Die Freizeitaktivitäten der Einheimischen:

Das obligatorische Billard.

Während der Rest unserer Reisegruppe Kaffee genoss, schlenderten wir duch die Umgebung des Cafes. Wie überall in Neuseeland, stiessen wir auch hier auf eine Tafel mit einer kurzen Ortsgeschichte, mit Fotos und kurzen Biografien der Siedler im 19.Jahrhundert.

Ein Denkmal an die ersten Bewohner von Staveley.

Wir haben sogar eine Billy-Boyd-Strasse gefunden, na ja, „fast“ eine. Hier beendeten wir unsere Erkundung von Staveley: unsere kleine Gruppe war zum Abreisen bereit.

Ein für die neuseeländischen Landstrassen typisches Bild. Die Autofahrer warten geduldig, bis die Schafsherde vorbeigezogen ist.

Auf dem Weg nach Edoras sahen wir noch einen Siedlungstyp: eine Feriensiedlung, die sogenannte „bach“, am See Clearwater Lake.

Diese Siedlung wurde 1925 gegründet, damals waren in dieser Gegend überwiegend Jagd- und Fischerhütten.

Nebenan befindet sich ein Campervan-Stellplatz. Die Gegend rundherum ist bildschön.

Hier und da sieht man zwischen Feldern und Weiden Farmhäuser und Wirtschaftsbauten.

Neben den Berg Mount Sunday, wo Edoras gefilmt wurde, befindet sich „Mt. Potts Lodge“: ein äusserst nettes Cafe-Restaurant-Hotel, ein Umschlagplatz für Wanderer und Herr-der-Ringe-Fans.

Die Innenansicht mit einem funktionierenden Ofen.

Nachdem wir abgehend von Christchurch, der grössten Stadt der Südinsel, über das kleine Städtchen Methven und ein noch kleineres Staveley gefahren sind, und all die Baches, Campervans und Farmhäuser hinter uns hatten, waren wir endlich am Ziel unserer Reise: einem abgelegenen Tal, in dessen Mitte der Berg Mount Sunday ragt. Die Natur, die Berge, weit und breit keine Seele außer uns: ein atemberaubender Ort, den man nie verlassen will.

Leider gehen alle guten Dinge doch irgendwann zu Ende. Aber bei unserer Abreise haben wir uns versprochen, zurückzukehren. Nach der Reise nach Edoras hatten wir noch eine Reise zu den Pelennor-Feldern, und so verließen wir Methen am nächsten Morgen und fuhren in ein anderes verschlafenes Städtchen: Twizel.

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