Im Land von Vulkanen, Höhlen und Cthulhu

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Es ist kein Geheimnis, dass die Deutschen sehr gerne über vorbestimmte und kartographierte Wege wandern gehen. Es gibt ganze Wanderweg-Reiseführer mit Karten für diejenigen, die wacker über Stock und Stein spazieren gehen möchten. Und so haben wir das auch mitgemacht – wir sind in die Vulkaneifel gereist und sind diesen Weg gegangen, den „Höhlen-und Schluchten-Steig“. 12 Kilometer sind wir gelaufen, nachdem wir uns so gut es ging vor Zecken geschützt hatten.

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Ich liebe es, wenn es auf dem Weg auch noch interessante Dinge zu sehen gibt, und hier gab es reichlich davon! Zunächst führte der Weg über Felder,

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…an Jagdhütten vorbei, wo die Jäger sonst auf der Pirsch sitzen.

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Dann trafen wir auf ein paar Mineralwasserquellen: ein erstes Anzeichen dafür, dass es hier früher mal Vulkane gab. Bis heute entsteht Kohlensäure in den Tiefen und kommt auf die Oberfläche – entweder einfach so, oder eben in solchen Wasserquellen. Diese Quelle hat außer Kohlensäure auch noch einen hohen Eisengehalt und das Wasser ist sogar trinkbar. Wir haben’s aber nicht getan: nicht dass wir uns noch in Zicklein verwandeln. 🙂

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Dann liefen wir an einem alten Steinbruch vorbei, wo früher Kieskupfererz gefördert wurde. Jetzt wohnen nur noch Fledermäuse hier drin.

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In der Wolfsschlucht kamen wir an einen kleinen Wasserfall.

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Es ist sehr malerisch hier. Der Maler Schischkin würde sich hier bestimmt mit seiner Staffelei niederlassen! Man würde gar nicht vermuten, dass umher lauter Touristenwanderwege liegen.

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Die Bäume hängen über unseren Köpfen. Cthulhu streckt seine Wurzeln nach uns aus.

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Manchmal stürzen Teile der Wände ein. Das ist kein einfacher Sand oder Stein, sondern ein ganz ungewöhnliches Gestein: vulkanischer Trass. Das ist zusammengepresster Bimsstein und Vulkanasche. Ich habe schon einmal über den Vulkan geschrieben, der sich dort befand, wo heute der Laacher See ist. Vor ca. 13 000 Jahren ist er ausgebrochen. Die ganze Wolfsschlucht, diese grauen Wände, sind alles vulkanischer Trass von eben jenem Ausbruch.

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Die Wissenschaftler haben nachgerechnet, dass der Ausbruch des Laacher Vulkans 5 Mal mächtiger war, als der des Vesuv im Jahre 79 n. Chr., der damals Pompeji und Herculanum vernichtet hatte! An manchen Orten ist die Lava- und Ascheschicht bis zu 30 Meter dick.

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Der Ausbruch war so stark, dass die Asche bis nach Norditalien und nach Baltikum kam. In der Schlucht kann man die hellen und dunklen Schichten von Bims und Asche sehen. Das alles dank dem Bach, der die Schlucht durch die Vulkanasche geschnitten hat.

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Als wir die Schlucht dann verließen, kamen wir noch an den Ruinen eines Karmeliten-Klosters vorbei. Nach einer Legende passierte an diesem Ort ein Wunder: im Jahre 1388 sah ein Hirte die Jungfrau Maria, die um Christus weinte. Deswegen wurde hier eine Kapelle gebaut, und im 15. Jahrhundert dann ein ganzes Kloster. 1802 kamen die Franzosen und desakularisierten das Kloster wieder weg, bis gar nichts mehr übrig war.

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Wir hatten jedoch noch die Hauptattraktion der Route vor uns: riesige Trasshöhlen!

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Schon die alten Römer fanden die einzigartigen Baueigenschaften von Trass heraus und begannen im 1. Jahrhundert n. Chr. ihn hier zu fördern. Man zerkleinerte ihn in speziellen Mühlen, vermischte ihn mit Kalkmilch und bekam dann einen ganz besonderen Mörtel, der wasserfest war. So waren sie, die alten Römer – ich bekomme immer mehr Respekt vor ihnen!

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Im Mittelalter vergaß man das alles wieder (ungebildete Menschen, dunkle Zeiten). Die Erbeutung des Trass begann erst im 17. Jahrhundert wieder, und zwar nicht von Deutschen, sondern von den Holländern. Hier ein Foto von mir, für den Maßstab insektengroß!

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Wenn man Trass mit ungelöschtem Kalk vermischte, erhielt man einen megafesten Unterwasserbeton, den man beim Hafenbau verwendete. In manchen Höhlen hier sind die Wände inzwischen ganz schön dünn: so intensiv wurde hier gegraben!

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Zu einigen Höhlen muss man hochklettern.

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Da ist er schon, der Ausgang.

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Danach führt der Weg den Berg hinauf. Da wir untrainiert waren, war der steile Weg für uns etwas schwer. Allerdings hatten wir auch ein kleines Kind dabei, das munter immer weiter voran lief – und so mussten wir die Zähne zusammenbeißen und den Hang hochkriechen.

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Dafür war die Aussicht ein lohnenswerter Anblick!

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Nach ein paar weiteren Kilometer trafen wir auf die Ents.

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Anschließend genossen wir die Abendsonne in vollen Zügen.

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Die Berge verschwanden und es kam das Windows-Logo zum Vorschein.

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Die Natur plusterte sich auf und warf uns ihre Schönheiten entgegen, als wir schon zum Auto liefen.

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Still round the corner there may wait
A new road or a secret gate (c). 🙂

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Brohltalstr. 123, 56626 Andernach Google Maps

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