Neuseeland, oder „Hin und wieder zurück“: Mt. Cook

Ein Tag in Neuseeland begann für uns sehr oft nach dem Prinzip: ein neuer Morgen – eine neue Herr-der-Ringe-Tour! Diesmal ging es in die Pelennor-Felder, und der Beginn sowie das Treffen mit unserem Guide fand im Städtchen Twizel statt. Sehr früh brachen wir aus Methven auf, und den ganzen Weg nach Twizel wurden wir vom Nebel und Wolken begleitet.

Ringsherum – endlose Weiden, umgeben von Zäunen.

Hier und da guckten die Farmhäuser hervor.

Manchmal verschwanden die Zäune und Häuser, und es kam einem fast vor, als wäre man nach Mittelerde versetzt worden. Gleich kommt Aragorn hinter diesem Hügel hervor!

Zuerst fuhren wir am See Tekapo vorbei, einem der drei größten Gletscherseen der Region Canterbury (die beiden anderen sind Pukaki und Ohau).

Wir beschlossen, eine Pause einzulegen und Fotos zu machen.

Zuvor haben wir gelesen, dass die Farbe des Sees von einem kräftigen Blau gezeichnet ist, und zwar wegen der Gesteinpartikel, die im Wasser der schmelzenden Gletscher enthalten sind. Leider war das neblige Wetter und der frühe Morgen daran schuld, dass wir nichts von der blauen Farbe erlebt hatten.

Nur die frühen Vögel tummelten sich im Wasser.

Abgesehen davon, dass uns eine Orgie von Farben entgangen ist, genossen wir die Schönheit des Sees eine Weile lang und fuhren weiter. Und siehe da! Als wir am See vorbeifuhren, konnte ich ein Stückchen des anderen Ufers von Tekapo fotografieren! Nun war es aber zu spät, noch einmal anzzuhalten, sonst wären wir zu spät zu unserer Tour gekommen.

Trotzdem kamen wir nicht umhin, beim See Pukaki kurz anzuhalten. So sahen wir ihn zum ersten Mal: ein schläfriger See mit milchrig-türkisem Wasser.

Im Morgennebel ist seine Farbe ein wenig satter, als die von Tekapo.

Eigentlich befindet sich in der Ferne der Berg Mount Cook, der höchste Berg Neuseelands (3 274 Meter hoch), der nach dem britischen Kapitän und Entdecker James Cook benannt wurde. Leider hat Mount Cook sich von uns im Nebel und Wolken versteckt. Wir beschlossen, später nach der Tour zurückzukehren – vielleicht würde sich der Nebel ja lichten.

Endlich kamen wir in Twizel an, einem einstöckigen ruralen Städtchen. Es wurde 1968 erbaut, um die Bauarbeiter der lokalen Wasserkraftwerk unterzubringen, und sollte eigentlich nur bis 1984 bestehen. Twizel erwies sich aber als sehr zählebig. Jetzt existiert er in erster Linie dank Einnahmen vom Tourismus.

Als wir auf unseren Guide im Hotel Mackenzie Country Hotel warteten, habe ich ein paar Fotos von der Inneneinrichtung gemacht.

Die Zapfen sind riesig.

Der Herr des Hauses.

Ein einladender Sessel für die Gäste.

In der Hotellobby gab es Angebote für Doppeldeckerflüge.

Dann erschien auch unser Guide, und wir fuhren los zu den Pelennor-Feldern- Zu dieser Fahrt gibt es einen ausführlichen Bericht von meinem Mann (zwar in russischer Sprache, dafür aber mit vielen Fotos).

Und ich beschränke mich auf ein Foto, das mich an den Drehort von den Pelennor-Feldern erinnert.

Nach der Tour checkten wir in unsere Hütte in einer Schafsfarm ein (darüber habe ich ausfürlich hier geschrieben) und beschlossen, dem Mount Cook noch eine Chance zu geben.

Und diesmal nutzte er diese Chance aus!

Der Himmel klärte auf, und Mount Cook erschien vor uns. Vorher hatte sich mein Mann Sorgen gemacht, dass wir ihn vielleicht überhaupt nicht sehen. Eigentlich war sein Besorgnis durchaus begründet: man sagt, dass die Wolken den Gipfel ungefähr 240 Tage im Jahr verhüllen. Der Schnee bedeckt den Gipfel das ganze Jahr über.

In der Maori-Sprache wird Mount Cook Aoraki genannt, was „der die Wolken durchstösst“ heisst. Er ist Teil des Nationalparks „Aoraki/Mt Cook“ ein. Der Berg ist Bergsteigern gegenüber recht hart: im Laufe der Geschichte des Bergsteigens auf Mount Cook (seit Beginn des 20. Jahrhunderts) sind dort ca. 80 Menschen ums Leben gekommen (Stand 2014).

Die erste erfolgreiche Besteigung von Mount Cook haben am 25. Dezember 1894 drei Neuseeländer unternommen: Tom Fyfe, John Michael Clarke und George Graham. Sie erreichten den Gipfel im Laufe eines einziges Tages.

Als erste Frau bestieg am 3. Dezember 1910 die Australierin Freda du Faur (1882-1935) den Mount Cook. Sie wurde von den Bergführern Peter und Alex Graham begleitet. Die Besteigung dauerte 6 Stunden. Du Faur trug einen Rock und genagelte Schuhe: solche Ausrüstung ist heute beim Bergsteigen kaum vorstellbar! Der Rock war aber damals angebracht.

Am 3. Januar 1913 hat dieselbe tolle Frau zusammen mit den Bergführern Peter Graham und David Thomson erstmals in der Geschichte die Traverse des Mount Cook bestiegen (alle drei Gipfel des Berges nacheinander erobert) – die sogenannte „Grand Traverse of Mt Cook“.

Und noch eine weitere Heldin von Mount Cook, die man unbedingt erwähnen sollte: die Neuseeländerin Jane Thomson (1858-1944), die im Alter von 57 (nach anderen Angaben 59) Jahren die Grand Traverse im Januar 1916 zusammen mit dem bekannten Bergsteiger Conrad Kain bestiegen hat! Dieses Ereignis erregte damals viel Aufsehen. Mit 80 Jahren reiste Jane Thomson noch nach Hymalaya, um den Berg Nanga Parbat zu sehen.

Extremsport-Fans, die sich nicht gerade auf die Spuren von Frida du Faur und Jane Thomson begeben wollen, können stattdessen Bergski fahren. Das kann man das ganzen Jahr über machen. Auf Mount Cook gibt es aber keine Skilifts, deswegen werden die Skifahrer mit Hubschraubern oder Flugzeugen auf den Berg gebracht. Oder man kann es sich noch einfacher machen: eine Tour kaufen und sich auf einen Spaziergang über die Grand Traverse in einem kleinen Flieger begeben.

Ausserdem kann man aus dem Dorf Mount Cook, das sich in dem entfernten Winkel des Pukaki-Sees befindet, mit einem Auto zum Tasman-Gletscher fahren, dem längsten und grössten Gletscher Neuseelands (27 km lang, 3 m breit), der den See Pukaki speist, und dann dort wandern gehen. Auch kann man Panoramaflüge mit Hubschraubern oder Flugzeugen über die Gletscher und Berge machen.

Nach der Tour über die Pelennor-Felder hatten wir aber nur noch die Kraft dazu, einen winzigen Infopoint am Pukaki-See zu besuchen (dafür gab es dort eine Menge an informativen Schildern) und fürs Abendessen eine lokale Spezialität – geräucherten Lachs – zu kaufen, der in der Umgebung gezüchtet wurde.

Auf dem Rückweg nach Twizel fuhren wir am Kanal vorbei, durch den das Wasser des Pukaki-Sees zum Wasserkraftwerk Ohau läuft.

Neben unserer Farm haben wir noch ein kleines Flugfeld entdeckt.

Auf der Farm sind wir noch spazieren gegangen und haben Schafe fotografiert.

Diese führen eindeutig etwas im Schilde.

Und das ist nicht verwunderlich: der Farmer erzählte uns, dass die in der Nähe grasenden geschorenen Schafe bald geschlachtet werden. Die Schafe, die ihr Pelz noch haben, haben dafür noch etwas Zeit.

Ein alter Traktor.

Von unserem Häuschen aus bot sich eine fantastische Aussicht auf den Mount Cook, die wir beim Abendessen in vollen Zügen genossen haben.

Noch ein paar Fotos der Abendlandschaft:

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns von der gastfreundlichen Farm und fuhren nach Wanaka, einem Städtchen am gleichnamigen See. Dort erwartete uns eine Jetboot-Fahrt.

Adressen:

  • Lake Tekapo Google Maps
  • Mt. Cook Google Maps
  • Mackenzie Country Hotel, Twizel Google Maps
  • Omahau Downs Farmstay Google Maps

Nützliche Links

Webseite des Nationalparks Aoraki/Mount Cook

Wanderrouten am Tasman-Gletscher

Webseite des Mackenzie District:

Über Freda du Faur:

Über Jane Thomson:

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